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Andacht und Gedicht

Über die Autorin: „Im Rahmen meines Vikariats versuche ich in einem digitalen Projekt, sprachsensibel die Themen Schöpfung und Klimaschutz zusammen zu bringen. Mein Anliegen ist es, eine spirituelle Dimension zu den Themen zugänglich zu machen. Dabei wurden aus jüdischer und christlicher Sicht verschiedene Texte (informativ, spirituell, lyrisch) erarbeitet. Entstanden ist eine Art Materialsammlung, die für persönliche Gebete oder auch zur Andachts- und Gottesdienstvorbereitung genutzt werden kann. Es gibt auch einen Instagram-Kanal @schoepfungsliebend. Und als Vorankündigung: Für Februar/ März sind kurze digitale Klimagebete geplant.“

Eine politische Andacht

Jede Andacht ist ein kleiner Streik. Wir legen unsere Arbeit nieder und unterbrechen das, was uns als Routine überrollt. Wir versuchen das, was nicht gut ist, vor Gott zu sammeln und zu formulieren.

Wir streiken für Klimaschutz und Respekt vor dem, was lebt. Wir klagen darüber, dass wir unsere Vorhaben nicht umsetzen. Dass die Flut viele Länder überrollt und noch mehr Länder überrollen wird. Dass sich Feuer ausbreiten. Auf zu trockenen Böden.

Ich frage mich, wie es Gott dabei geht. Und ich denke: Gott klagt auch. Sie klagt und trauert. Über die ausgestorbenen Arten, die vertrockneten Bäume, die ausgebeutete Erde. 

Gott hat die Welt mit Weisheit geordnet. Und wir haben diese Weisheit nicht erkannt. Wir haben es nicht geschafft, in einer guten Beziehung zur Schöpfung zu leben. Wir haben nicht erkannt, dass wir Teil der Schöpfung sind.

„Frau Dummheit ist aufgeregt“, so heißt es in einem biblischen Text. „Sie ist die Engstirnigkeit; nie hat sie etwas erkannt.“ 

Es ist unsere Entscheidung. Laufen wir der Dummheit hinterher, oder erkennen wir die Weisheit Gottes;

Den Wert und die Schönheit von jedem Geschöpf.

Gott selbst leidet an unserer Dummheit. Im Kreuz wird das sichtbar.

störend – Gedicht

zart werden

sie sagen

es ist unsere gier

die leben zerstört

zart werden

sie sagen

es ist unser neid

der wettbewerb braucht

zart werden

sie sagen

es ist unsere trägheit

die umkehr verhindert

zart werden

ich glaube

es ist die scham

vor der wir uns verstecken

wegen der wir uns bedecken

wir wollen nicht

dass du gott uns siehst

wie wir uns nicht sehen wollen

ertragen es nicht

dass wir angewiesen

sehnsüchtig

verletzlich sind

zart werden

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