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Auslandssemester Unterwegs

Rom 2020-2021 (Centro Melantone)

Interview mit Valerie:

Wo bist du und wie bist du dahingekommen?
Seit Anfang September 2020 bin in Rom über das Programm des Centro Melantone. 10 Monate, also 2 Semester verbringe ich hier in Italien. Die Bewerbung lief schriftlich über das Programm (zwei Einsendetermine, ein Jahr oder ein halbes Jahr vor Beginn des Studienjahres). Aufgrund des Pandemiebeginns im Frühjahr 2020 war die Durchführung des Programms lange unsicher, aber schließlich wurde es zum Glück trotz aller Einschränkungen möglich gemacht. Die ersten zwei Monate habe ich in einer WG gewohnt, aber als sich die Pandemiesituation im Herbst immer weiter zuspitzte und die Maßnahmen (Besuchsbeschränkungen, Ausgangssperre) strenger wurden, bin ich ins Convitto der Facoltà Valdese gezogen. So konnte ich die Bibliothek der Waldenser nutzen und die Lehrveranstaltungen präsentisch besuchen, da sich das Wohnheim im selben Haus wie die universitären Räumlichkeiten befindet.

Du bist in einer besonderen Situation ins Ausland gegangen: Inwiefern hat die Situation deine Entscheidung beeinflusst?
Da ich mein Theologiestudium direkt nach dem Schulabschluss begonnen habe, war der Wunsch, während des Studiums länger ins Ausland zu gehen, schon von Beginn an vorhanden. Das Studienjahr in Rom weckte schnell mein Interesse, weil ich in der Schulzeit eine Begeisterung für romanische Sprachen entwickelt habe. Deshalb empfand ich das Programm als optimale Möglichkeit, dieses Spracheninteresse mit dem Theologiestudium zu verbinden. Die Zusage zum Studienjahr bekam ich bereits im Herbst 2019, ab da stand also für mich fest, dass es für mich in einem Jahr nach Rom gehen würde. Als im Frühjahr die Realisierung des Programms auch unter „Covid-19-Bedingungen“ mitgeteilt wurde, war ich froh und bereit, mich auf dieses Abenteuer einzulassen. Dennoch war der Gedanke, dass das Auslandsjahr jeder Zeit abgesagt, bzw. abgebrochen werden könnte, etwa sNerven zehrend und erschwerte die Planung.

Wie ist das Leben in Rom? // Was machst du so abseits von Uni (Freizeit etc.)?
Das Leben in Rom habe ich in verschiedenen Etappen erleben können – ein sommerlich aufregender, geradezu urlaubshafter Start im September und ein aufwühlender immer stärker von Corona-Eindämmungs-Maßnahmen geprägter Herbst. Von da an durchlebten wir in Lazio die gelbe, orangene und rote Zone mit teils viel Freiheit, aber auch z.B. um Ostern herum strenge Einschränkungen. In der Freizeit lohnt sich bei gutem Wetter stets ein Ausflug ans Meer (nah und günstig erreichbar), ein Cafe-, Bar-, Eisdielen- oder Restaurantbesuch, ein ausgedehnter Spaziergang durch die Stadt oder eine Fahrradtour.

Wie läuft das Studium?
Das Studium in Rom ist super vielfältig, aufregend und interessant: In den zwei Semestern konnte ich an 7 verschiedenen Universitäten studieren. In Rom gibt es über 20 verschiedenen päpstliche theologische Hochschulen (thematisch spezialisiert oder durch verschiedene katholische Orden geführt). So können sich die Studierenden über das Centro Melantone durch einen Turm aus Vorlesungsverzeichnissen wälzen und sich als Gasthörer für die Kurse einschreiben, die sie interessieren. Die „Heimat-Uni“ ist die Facoltà Valdese, die einzige evangelische Fakultät in Rom. Die Lehrveranstaltungswahl kann also frei nach Interesse geschehen und ist eine tolle Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu entdecken oder zu vertiefen.

Inwiefern beeinflusst Corona das Stadt- und das Unileben?
In Rom zu Coronazeiten zu leben, ist sehr besonders – die Turimassen fehlen vollkommen, Sehenswürdigkeiten, Plätze oder Museen hat man teilweise ganz für sich allein. Dennoch war es je nach Zonen-Einteilung auch fast gespenstisch leer und beispielsweise durch die Ausgangssperre kann man vom abendlichen Treiben kaum etwas mitbekommen. Schade ist außerdem, dass wir Studierenden dieses Jahr so gut wie keinen Besuch empfangen konnten.
Die Universitäten haben zum Glück von Beginn an einen hohen Wert auf Präsenzlehre gelegt. Dadurch konnte unter Maske, Sicherheitsabstand, Fiebermessen und regelmäßigem Lüften ein Großteil der Lehrveranstaltungen präsentisch stattfinden. Dies ermöglichte trotz allem interessante ökumenische Begegnungen, Gespräche und eine gute Lehre. Das weiß ich sehr zu schätzen.

Wie ist dein Kontakt mit anderen Studierenden?
Der Kontakt zu anderen Studierenden ist unter Coronabedingungen eingeschränkter als in sonstigen Jahren. Dennoch konnte ich durch mein Leben in der WG einige Erasmusstudierende aus ganz Europa kennenlernen, die Präsenzuni machte Bekanntschaften zu Priestern, Mönchen und Nonnen aus aller Welt möglich und das Leben im Convitto ließ Freundschaften zu den Studierenden der Facoltá Valdese entstehen.

Würdest du anderen Menschen raten während Corona wegzugehen bzw. die Entscheidung für dich selber nochmal so treffen?
Ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut, trotz der Pandemie nach Rom gezogen zu sein. Hier habe ich trotz aller Maßnahmen jeden Tag Neues erlebt und entdeckt. Es war interessant zu beobachten, wie zwei verschiedene Länder – Deutschland und Italien, die Coronapolitik handeln und wie diese von der Gesellschaft aufgenommen wird. Dieser doppelte Blick führte zumindest bei mir zu mehr Gelassenheit und Verständnis im Umgang mit Fehlern oder Widersprüchen.

Welche eine Sache muss man unbedingt über Rom wissen oder dein Tipp für nachfolgende Studis?
Auf jeden Fall viel Energie ins Italienisch lernen stecken, dadurch wird das universitäre und das private Leben erleichtert und bereichert. Außerdem lohnt es sich, durch Spaziergänge eine gute Orientierung in der Stadt zu gewinnen. Das Gefühl, sich ohne Karte in Rom zurechtzufinden, ist wirklich besonders! Daneben empfehle ich, viele verschiedene katholische Hochschulen zu besuchen, jede hat einen ganz eigenen Charakter.